Gerald Ullrich

Netzausbau intelligenter und bedarfsgerechter gestalten, Chancen von digitaler Stromnetzsteuerung und Power-to-Gas nutzen

Stromnetz
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Der FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich aus Thüringen (Wahlkreis Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen – Sonneberg) zum geplanten Ausbau der Stromnetzte in Deutschland:

 

Im Netzentwicklungsplan 2030 werden fast 95 Milliarden Euro bis 2035 für den Netzausbau vorgesehen. Bei einer solchen Investitionssumme muss nicht nur die Notwendigkeit der jeweiligen Maßnahmen ständig überprüft werden. Der Netzausbau muss intelligent stattfinden und die Zukunftsfähigkeit im digitalen Zeitalter gewährleisten!

Der Netzausbau dient vor allem dem Anschluss erneuerbarer Energiequellen an das bestehende Stromnetz. Durch deren dezentralen Charakter entsteht eine Vielzahl neuer Anschlusspunkte, die mit dem bestehenden Netz zu verbinden sind. Hierbei darf aber nicht einfach drauf los gebaut werden.

Vielmehr muss der Ausbau genutzt werden, um die neuen Netze so intelligent wie möglich zu gestalten. Sei es durch digitale Stromzähler, die Produzenten und Verbraucher besser Verbinden, oder Temperatursensoren an den Stromkabeln, um die maximale Durchleitungskapazität ausschöpfen zu können.

Auf intelligenten Wegen kann der Strom besser dorthin gelangen, wo er verbraucht wird. Für die intelligente Steuerung müssen aber auch die Kommunikationsnetze in der Lage sein, dies zu leisten. Und im Ausbau des 5G-Netzes hinkt Deutschland noch weiter zurück als im Energienetz.

Außerdem muss in Zukunft garantiert sein, dass bei einer großen Zahl von Einspeisern (Solaranlagen auf privaten Dächern, einzelnen Windrädern, etc.) präzise abgerechnet werden kann, wer wie viel Strom eingespeist hat. Das erscheint profan, ist aber nicht selbstverständlich. 

Der Netzausbau muss zusätzlich europäisch gedacht werden. Denn auch in diesem Bereich ist die Verbindung der Nationen weit fortgeschritten. Bestehende Verbindungen zwischen Süd- und Nordeuropa dürfen bei diesem Umbau nicht vernachlässigt werden.

Zur besseren Nutzung bestehender Energienetze gehört dabei auch ein weiteres Element: Das Gasnetz.

Neue Technologien wie Power-to-Gas erzeugen Gas aus Strom, und damit in Zukunft aus erneuerbaren Energien. Deutschland verfügt bereits über ein ausgebautes Gasnetz, welches zum Transport von Energie verwendet werden kann. Da der Transport des Gases durch das bestehende Gasnetz möglich ist, kann auf einen Teil des geplanten Stromnetzausbaus verzichtet werden. Deshalb ist der Bau von Starkstromtrassen wie SüdLink und SüdostLink unnötig und beschränkt unsere Möglichkeiten. Denn nur wenn wir die Energiewende technologieoffen und sektorübergreifend denken, wird sie uns gelingen.